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De dood als machtsmiddel. Het vervolg 3

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Levenslang voor verpleegkundige Olaf Däter

In mijn boek besteed ik in hoofdstuk 7, dat over zaken in Duitsland gaat, aandacht aan deze zaak. In paragraaf 7.3 tot 7.7.4 pagina 201 tot en met 202.

Der Oma-Mörder von Bremerhaven

Der Altenpfleger Olaf Däter hat mindestens vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde“ begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Er ist am 22. November 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Im Urteil heißt es: "Aus nichtigem Anlass und mit großer Bedenkenlosigkeit hat der Angeklagte innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht auch sein sechstes Opfer verstorben ist.“

Fünf Morde und ein Mordversuch innerhalb von zehn Tagen – diese Serie ist beispiellos zumindest in der deutschen Kriminalgeschichte. Däter ist nicht psychisch gestört wie die meisten Serienmörder; sieht sich auch nicht als "Erlöser“ seiner durchweg über achtzig Jahre alten Pflegebefohlenen; sein Motiv ist furchtbar banal: Habgier. Seine Beute: insgesamt nicht mal 5.000 Mark.

Wenige Tage vor dem ersten Mord war Däter fristlos entlassen worden bei dem Pflegedienst, der die sechs alten Damen zu Hause betreute. Er hatte Geld unterschlagen. Am 6. Juni 2001 besucht er dann unter einem Vorwand die 87-jährige Lisbeth Nägler, erstickt sie mit einem Handtuch und raubt 350 Mark. Bei allen weiteren Taten geht er ähnlich vor. Und bei vier seiner Opfer bescheinigen die nach dem Auffinden der Leichen herbeigerufenen Ärzte einen natürlichen Tod. So wäre es wahrscheinlich auch bei seinem letzten Opfer gekommen. Aber die 82-jährige Martha Neubauer überlebt die Attacken des 1,93 Meter großen und 130 Kilo schweren Hünen und liefert den Hinweis auf Olaf Däter. Hätte Martha Neubauer nicht überlebt, dann wäre einer der schlimmsten Verbrecher der Kriminalgeschichte vielleicht ungestraft davongekommen – weil niemand außer ihm selbst von seinen Verbrechen gewusst hätte.

Jeder dritte Mord bleibt unentdeckt
"Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet.“ Den Satz hört man immer mal wieder von dem einen oder anderen Kriminalkommissar, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner. Kaum einer, der nicht Polizist oder Jurist oder Mediziner ist, glaubt, dass da wirklich was dran sein könnte. Schließlich ist die Aufklärungsquote nirgends höher als bei Mord und Totschlag. Nur setzt allein der Versuch, ein Verbrechen aufzuklären, das Wissen oder wenigstens den Verdacht voraus, dass überhaupt ein Verbrechen passiert ist. Der viel zitierte "perfekte Mord“ ist also vorzugsweise einer, von dem keiner etwas weiß außer dem Mörder. Gäbe es davon viele, dann könnte die Behauptung über die Gräber und die Kerzen wahr sein. Und tatsächlich sind rechtsmedizinisch so genannte "Dunkelfelduntersuchungen“ zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens jedes dritte Tötungsdelikt in Deutschland nicht entdeckt wird.

Lebenslänglich für den Mörder aus Habgier

Von dpa 22. November 2001, 00:00 Uhr

Olaf Däter tötete fünf kranke Rentnerinnen. Gericht stellte besondere Schwere der Schuld fest

Der fünffache Mörder Olaf Däter aus Bremerhaven ist vom Bremer Landgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht erkannte zudem eine besondere Schwere der Schuld.

Der geständige Krankenpfleger hatte im Juni fünf alte und kranke Frauen aus Habgier erstickt. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Bei besonders schwerer Schuld kann erst nach 15 Jahren eine vorzeitige Haftentlassung geprüft werden.

Däters Verteidiger hatte auf auf eine Forderung verzichtet und auf eine „angemessene Strafe“ plädiert. Däter hatte die fünf Frauen im Alter zwischen 83 und 89 Jahre innerhalb von neun Tagen überfallen und in ihren Wohnungen ermordet. Der mit bis zu 70 000 Mark verschuldete Krankenpfleger gab als Motiv Geldnot an.

 

Staatsanwalt fordert lebenslang für Olaf Däter

Von Kristin Breuer 21. November 2001, Welt Online

Im Mordprozess gegen den 32-jährigen Olaf Däter aus Bremerhaven wurden am Dienstag die abschließenden Plädoyers gehalten

Der Krankenpfleger ist angeklagt, im Juni 2000 fünf alte Frauen aus Habgier erstickt zu haben. Zudem soll er versucht haben, eine weitere Frau umzubringen. Laut Anklage erbeutete er insgesamt 4900 Mark. Staatsanwalt Fritz Haar forderte nach seiner rund einstündigen Rede eine lebenslängliche Haftstrafe für den Angeklagten. Zusätzlich beauftragte er die Strafvollstreckungskammer, die besondere Schwere der Schuld Däters festzustellen. "Um diese zu bejahen, bedarf es Umständen von Gewicht. Diese sind deutlich vorhanden. Es gab mehrere Opfer und es liegen mehrere Mordmerkmale vor: Heimtücke, Habgier und Verdeckung."

Ausführlich griff Haar noch einmal die Mordserie auf. Dabei ging er davon aus, dass der Angeklagte bei mindestens vier Taten von vornherein eine Tötungsabsicht verfolgt hätte. Lediglich bei den ersten beiden Morden könne man von einem bedingten Vorsatz sprechen "bei der die Absicht zur Tötung erst während der Tatausführung gefasst worden war". In allen anderen Fällen sei aber überaus deutlich, dass keine "Spontanaktion" vorgelegen habe. "Drei Dinge sprechen dafür: Die Socken, die der Angeklagte mitnahm, um die Schreie der Opfer zu ersticken, setzen bereits Gewaltbereitschaft voraus. Darüber hinaus studierte Däter die Einsatzpläne der Mitarbeiter des Arbeiter-Samariterbundes, um ein Treffen mit den Pflegekräften zu vermeiden." Schließlich habe er sogar die Verwirrtheit seiner Opfer mit einkalkuliert, denen man auf Grund ihres Geisteszustandes niemals glauben würde, sie seien überfallen worden. Nach Haars Plädoyer folgten die Anträge der Nebenklage. Sie schlossen sich weit gehend an.

Abschließend wendete sich Thomas Domanski, Verteidiger Däters, an das Gericht. Zu den Vorwürfen der Verdeckung bemerkte er: "Ohne seine Geständnisbereitschaft hätten wir den Fall nie so schnell abwickeln können." Eine besondere Schwere der Schuld sah er nicht als gegeben an. Er beantragte "eine angemessene und gerechte Strafe", verzichtete aber auf weitere Konkretisierung. Zum Schluss der Sitzung entschuldigte sich Olaf Däter unter Tränen bei den Angehörigen der Opfer. "Ich verurteile entschieden diese Verbrechen und bitte um Vergebung."


Zu den Beweggründen, seinen Strafantrag so offen zu formulieren, erklärte Domanski der WELT: "Ich habe mein Plädoyer bewusst offen gelassen, um dem Gericht Spielraum zu geben, überhaupt auf meine Überlegungen einzugehen. Angemessen ist lebenslänglich. Eine besondere Schwere der Schuld halte ich für nicht gegeben."

Geliebte von Olaf Däter: "Es war reine Masche"

Von Kristin Breuer 16. November 2001, Uhr Weltonline

Prostituierte bestreitet Liebesbeziehung zum Angeklagten. Gutachterin: Es liegt keine psychologische Störung vor

Der vierte Verhandlungstag am Donnerstag im Prozess gegen den Altenpfleger Olaf Däter wegen fünffachen Mordes war zugleich der Höhepunkt des bisherigen Verfahrens. Der 32-Jährige ist angeklagt, im Frühjahr aus Habgier fünf alte Frauen erstickt und beraubt zu haben. Mit dem erbeuteten Geld wollte er seine Freundin aus dem Rotlichtmilieu unterhalten.

Im Zeugenstand des Landgerichtes Bremen bestritt die Frau allerdings eine Liebesbeziehung zu dem Angeklagten. Das Verhältnis sei rein beruflich gewesen, so die 29-Jährige. Sie betonte: "Ich bin Prostituierte. Wenn ich Geld dafür kriege, steige ich auf jede Tour ein, die der Gast möchte." Nur deswegen habe sie Olaf Däter überhaupt vorgetäuscht, mit ihm eine gemeinsame Zukunft planen zu wollen: "Das war reine Masche." Trotzdem habe sie Olaf Däter "sympathisch" gefunden: "Geliebt habe ich ihn nicht, aber sehr gemocht. Er machte den Eindruck, als bräuchte er verdammt viel Liebe." Pikant: Während mindestens einer der Mordtaten wartete sie vor dem Haus im gemeinsamen Wagen. "Olaf sagte, dass er kurz etwas erledigen müsste. Als er wiederkam, war er ganz verschwitzt und außer Atem." Von den Taten an sich will sie aber nichts gewusst haben. Nach der Anhörung der Zeugin vernahm Richter Harald Schmacke noch einmal Olaf Däter. Dabei versuchte er wiederholt und verschärft seine Motive zu ergründen, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er die Tat nachhaltig verurteilte. "Wie kommen sie auf die Idee, fünf alte Menschen, die ihnen anvertraut wurden, zu ersticken?" Die Antwort blieb Däter schuldig.

Nachmittags hielt die Chefärztin der Forensischen Klinik am Zentralkrankenhaus, Nahlam Saimeh, ihr psychiatrisches Gutachten zu Olaf Däter. Sie betonte ausdrücklich seine kognitiven Fähigkeiten. "Die hoch komplexe Tatplanung lässt auf eine aktive Leistung schließen." Abnorme Verhaltensmuster seien bei Däter nicht festzustellen. Gleichwohl bestätigte sie ihm eine hohe Verdrängungskompetenz, Minderwertigkeitskomplexe und ein ausgeprägtes Aggressionspotential. "Dennoch gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich Däter nicht auch hätte anders verhalten können. Eine psychisch relevante Störung liegt nicht vor." Ihr Gutachten wird sich erheblich auf die Frage der Schwere der Schuld Däters sowie auf eine mögliche Sicherheitsverwahrung auswirken. Däter-Anwalt Thomas Domanski gegenüber der WELT: "An lebenslänglich kommen wir kaum vorbei. Vielleicht kann man noch die Sicherheitsverwahrung abwenden. Für Missstimmung sorgt bei mir allerdings, dass Richter Schmacke seine Meinung, mein Mandant habe die Tat kaltblütig geplant, vorab so klar äußert."

Der Prozess kann auf Grund des zügigen Vorankommens um einen Tag verkürzt werden. Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen. Nächsten Dienstag werden die Plädoyers gehalten, am Donnerstag ist Urteilsverkündung.

DER FALL DES "OMA-MÖRDERS"

"Jungchen, nimm das Geld und geh"

Von Julia Jüttner

Diese Mordserie gilt als einmalig in der deutschen Kriminalgeschichte: Der Altenpfleger Olaf Däter tötete binnen zehn Tagen fünf Rentnerinnen. In einem TV-Film äußert sich nun ein Opfer, das überlebte - ohne ihre Aussagen wäre der "Oma-Mörder" wohl nie gefasst worden.

Hamburg - Olaf Däter ekelte sich vor alten Frauen. Anmerken ließ sich der Altenpfleger das nicht. In Gesundheitsschuhen stampfte der 1,93 Meter große und 130 Kilogramm schwere Mann in die Wohnungen seiner Klienten. Viele mochten ihn, einige nannten ihn "Teddy". Ihre Arglosigkeit nutzte Olaf Däter aus - und ermordete im Juni 2001 fünf hochbetagte Frauen innerhalb von nur zehn Tagen. Eine weitere Rentnerin überlebte schwerverletzt. Nur aufgrund ihrer Aussage konnte der Serienmörder schließlich verhaftet werden.

Martha N. ist heute 89 Jahre alt. Sie sitzt im Rollstuhl, hat Erinnerungslücken. Doch den brutalen Überfall hat sie auch nach sieben Jahren nicht vergessen. Als Olaf Däter an jenem 12. Juni 2001 bei ihr klingelte - angeblich, weil er überprüfen wollte, ob ihr Badezimmer behindertengerecht eingerichtet sei - öffnete sie ihm vertrauensselig die Tür.

In der Wohnung überfiel sie der übergewichtige Mann von hinten, zerrte sie zu ihrem Bett im Schlafzimmer, drückte dort ihr Gesicht tief ins Kopfkissen. "Was wollen Sie von mir?", fragte die Rentnerin und schnappte nach Luft - "Geld!", zischte der 32-Jährige. "Ich sagte: 'Jungchen, nimm' das Geld und geh'! Du tust mir ja so weh!'", erinnert sich Martha N. in der ARD-Dokumentation "Der Oma-Mörder von Bremerhaven", die Montagabend ausgestrahlt wird (siehe Kasten).

Martha N. verliert während des Übergriffes das Bewusstsein. Däter nimmt 700 Mark an sich und bricht zudem eine Geldkassette auf, in der er 3000 Mark findet. Der Altenpfleger stürzt aus der Wohnung. Martha N. wird kurz darauf von ihrem Sohn gefunden. Sie erleidet drei Rippenbrüche, eine Schädelprellung, Platzwunden und massive Hämatome. Trotzdem kann sie der Polizei erklären, wer sie so zugerichtet und beraubt hat. Olaf Däter wird kurz darauf festgenommen.

Ohne Martha N. wären die Taten des Serienmörders vielleicht für immer unentdeckt geblieben. Ohne Martha N. hätte er vielleicht noch weiter gemordet. Davon gehen zumindest die Ermittler und eine Gutachterin aus. "Er hat die Tötung der alten Frauen als neue Erwerbsquelle für sich erkannt", sagt Nahlah Saimeh SPIEGEL ONLINE. Sie ist Direktorin des LWL Zentrums für Forensische Psychiatrie in Lippstadt, begutachtete Olaf Däter und erklärte ihn im Prozess für voll schuldfähig.

"Ich habe nicht erkennen können, dass es für Herrn Däter Gründe gegeben hätte, mit den Taten aufzuhören. Insofern wäre durchaus mit weiteren Taten zu rechnen gewesen", konstatiert Saimeh.

"Seine Taten waren gut überlegt und raffiniert eingefädelt"

Däter habe sich ihr gegenüber höflich, zuvorkommend, fast gesellig gezeigt, sagt die Psychiaterin. Ihrer Meinung nach hat Däter den Beruf des Pflegers gewählt, um sein großes Machtbedürfnis gegenüber Menschen auszuleben, die ihm ausgeliefert sind. "Hochbetagte, alleinstehende Frauen, die sich in häuslicher Pflegesituation befinden, sind einsam, aufgeschlossen und freuen sich über Besuch. Seine Taten waren gut überlegt und raffiniert eingefädelt", so Nahlah Saimeh.

Olaf Däter fuhr von Tatort zu Tatort: Vom 5. bis zum 14. Juni 2001 tötete er kaltblütig fünf Menschen - als Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) konnte er sich leicht Zugang zu den Wohnungen seiner Opfer beschaffen. Die kannten ihn gut. Was sie nicht wussten: Der so hilfsbereit wirkende Pfleger war längst fristlos entlassen worden, weil er Geld unterschlagen hatte.

Olaf Däter, wuchtig, mit teigigem Teint und Doppelkinn, stülpte sich vor jedem Mord eine Frotteesocke über die rechte Hand: Der Speichel alter Menschen widerte ihn an.

Systematisch überfiel der Altenpfleger seine Opfer und erbeutete insgesamt rund 5000 Mark: Am 5. Juni 2001 ermordete er die 87-jährige Lisbeth N., eine verwitwete Bankangestellte; zwei Tage später Margarethe M., 85, die ihm um ihr Leben fürchtend freiwillig 850 Mark aushändigte; am 10. Juni überwältigte er die 1,51 Meter große und nur 45 Kilogramm schwere Helene K., 83; zwei Tage darauf tötete er Lieselotte S., der er die Wirbelsäule mehrfach brach.

Am 14. Juni schließlich erstickte er Anneliese K., 89, und fuhr direkt von deren Wohnung zu Martha N. Die von ihm verübte Mordserie ist bisher einmalig in der deutschen Kriminalgeschichte. "Er hätte weitergemordet", sagt Martin Hohmeyer von der Kripo Bremerhaven.

Die Hausärzte attestierten allen Opfern einen natürlichen Tod

Olaf Däter ging systematisch und sehr geschickt vor. Seine Opfer drapierte er nach der Tat im Bett, als seien sie ohne Fremdeinwirkung ums Leben gekommen - in allen Fällen stellten die Ärzte einen "natürlichen Tod" fest. Das könne passieren, sagt Rechtsmediziner Klaus Püschel, der nach Däters Festnahme dessen Opfer obduzierte. Über einen der Ärzte sagt Püschel: "Er hat die Grundregeln der äußeren Leichenschau nicht beachtet."

Martha N., so ist zu vermuten, hat durch ihr Überleben anderen Frauen das Leben gerettet.

Denn Olaf Däter hatte in einer Prostituierten eine neue Bezugsperson gefunden, die er mit noch mehr Geld beeindrucken wollte. Nach seiner letzten Tat schenkte er ihr 1500 Mark, spendierte ihr eine Pediküre und einen Rundflug nach Helgoland.

Er phantasierte sich die 29-Jährige zur Freundin. Ihr Auftritt vor Gericht - denkwürdig. Die Prostituierte verfiel in schallendes Gelächter, als sie hörte, dass Däter ihre Wärme und Zuneigung zu ihm schätzte. "Wenn ein Kerl mit 1000 Mark kommt, spiel' ich für den die Krankenschwester, die Mama, die Domina. Ich mach' genau das, was er will." Die alleinerziehende Mutter nahm Däter regelrecht aus.

Ohne sie, so vermutet Däters Verteidiger Thomas Domanski, hätte der vielleicht nie mit dem Morden begonnen. Der übergewichtige Pfleger habe sich nach Nähe und Zärtlichkeit gesehnt und der attraktiven Frau mit finanzieller Großzügigkeit imponieren wollen. Als sie ihn vor Gericht ausgelacht habe, sei er "sehr enttäuscht" gewesen.

Domanski steht mit dem Langinhaftierten in regelmäßigem Kontakt. "Er ist über die Ausstrahlung des Films nicht glücklich. Er wollte für sich, aber auch im Hinblick auf die Hinterbliebenen, den Fall nicht noch einmal aufrollen", sagt Domanski SPIEGEL ONLINE. Ein entsprechender Antrag scheiterte vor dem Landgericht Bremen.

Mit dem Leben im Gefängnis habe sich Däter arrangiert. "Er engagiert sich im Rahmen der Insassenvertretung, arbeitet bei der JVA-Zeitung mit und unterstützt die kirchliche Einrichtung in der Haft." Domanski, seit 15 Jahren Strafverteidiger, betont Däters umgängliches Verhalten, seine sympathische Art. Er unterscheide sich auffällig von anderen Schwerverbrechern.

"Er hat sich so verhalten, als ob nichts gewesen wäre"

"Er dürfte nicht mehr herauskommen", sagt dagegen der Adoptivvater Däters. Alfred Däter ist ein schmächtiger Mann mit grauem Bart und traurigem Blick. Er heiratete Olafs Mutter kurz nach dessen Geburt im Herbst 1969. Seinen leiblichen Vater hat Olaf Däter nie kennengelernt.

Die Eltern bescherten dem groß gewachsenen Jungen eine sorgenfreie Kindheit in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Olaf Däter wollte bereits nach der Schule Krankenpfleger werden. Als er keinen Ausbildungsplatz fand, verpflichtete er sich bei der Bundeswehr in Cuxhaven und ließ sich dort zum Sanitäter ausbilden. Nach acht Jahren trat er den Job beim ASB an. Däter hatte immer Geldprobleme, woran auch seine Ehe scheiterte.

Seine Eltern beglichen seine Mietschulden, halfen ihm, wenn ihm der Strom abgestellt wurde, aber ahnten nichts von seinem mörderischen Doppelleben. "Er hat sich so verhalten, als ob nichts gewesen wäre", sagt sein herzkranker Vater. Olaf habe die Mordtaten "gut verbergen" können, habe weder unruhig noch auffällig anders gewirkt. Heute sind sich Alfred Däter und seine durch Multiple Sklerose erblindete Frau Veronika sicher: "Wahrscheinlich wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann wir dran gewesen wären."

"Ich wollte sie nicht töten", sagte Däter vor Gericht tonlos. Das Landgericht Bremen verurteilte ihn zu einer lebenslangen Haft unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

"Ich gehe davon aus, dass er 30 Jahre absitzen wird", sagt Richter Harald Schmacke in dem ARD-Film. Dann wird Olaf Däter 62 Jahre alt sein - und Gutachter werden entscheiden müssen, ob er noch immer rückfallgefährdet ist.

bron: Spiegel Online 18 december 2008 zie ook www.speigel.de/video/video42884-.html

Die großen Kriminalfälle

Der Oma-Mörder von Bremerhaven (3)

Altenpfleger Olaf Däter hat vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde" begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Die Taten beging er innerhalb von zehn Tagen - eine beispiellose Mordserie in der deutschen Kriminalgeschichte.

"Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet." Den Satz hört man immer mal wieder von dem einen oder anderen Kriminalkommissar, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner. Kaum einer, der nicht Polizist, Jurist oder Mediziner ist, glaubt, dass da wirklich was dran sein könnte. Schließlich ist die Aufklärungsquote nirgends höher als bei Mord und Totschlag. Nur setzt allein der Versuch, ein Verbrechen aufzuklären, das Wissen oder wenigstens den Verdacht voraus, dass überhaupt ein Verbrechen passiert ist. Der viel zitierte "perfekte Mord" ist also vorzugsweise einer, von dem außer dem Mörder keiner etwas weiß. Gäbe es davon viele, dann könnte die Behauptung über die Gräber und die Kerzen wahr sein. Und tatsächlich sind rechtsmedizinische, sogenannte "Dunkelfelduntersuchungen" zu dem Ergebnis gekommen, dass ungefähr jedes dritte Tötungsdelikt in Deutschland nicht entdeckt wird.
Der Altenpfleger Olaf Däter hat mindestens vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde" begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Er ist am 22. November 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Im Urteil heißt es: "Aus nichtigem Anlass und mit großer Bedenkenlosigkeit hat der Angeklagte innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht auch sein sechstes Opfer verstorben ist."
Fünf Morde und ein Mordversuch innerhalb von zehn Tagen - diese Serie ist beispiellos, zumindest in der deutschen Kriminalgeschichte.
"Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet." Den Satz hört man immer mal wieder von dem einen oder anderen Kriminalkommissar, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner. Kaum einer, der nicht Polizist, Jurist oder Mediziner ist, glaubt, dass da wirklich was dran sein könnte. Schließlich ist die Aufklärungsquote nirgends höher als bei Mord und Totschlag. Nur setzt allein der Versuch, ein Verbrechen aufzuklären, das Wissen oder wenigstens den Verdacht voraus, dass überhaupt ein Verbrechen passiert ist. Der viel zitierte "perfekte Mord" ist also vorzugsweise einer, von dem außer dem Mörder keiner etwas weiß. Gäbe es davon viele, dann könnte die Behauptung über die Gräber und die Kerzen wahr sein. Und tatsächlich sind rechtsmedizinische, sogenannte "Dunkelfelduntersuchungen" zu dem Ergebnis gekommen, dass ungefähr jedes dritte Tötungsdelikt in Deutschland nicht entdeckt wird.
Der Altenpfleger Olaf Däter hat mindestens vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde" begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Er ist am 22. November 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Im Urteil heißt es: "Aus nichtigem Anlass und mit großer Bedenkenlosigkeit hat der Angeklagte innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht auch sein sechstes Opfer verstorben ist."
Fünf Morde und ein Mordversuch innerhalb von zehn Tagen - diese Serie ist beispiellos, zumindest in der deutschen Kriminalgeschichte.
Däter ist nicht psychisch gestört wie die meisten Serienmörder, sieht sich auch nicht als "Erlöser" seiner durchweg über 80 Jahre alten Pflegebefohlenen; sein Motiv ist furchtbar banal: Habgier. Seine Beute: insgesamt nicht mal 5.000 Mark.
Wenige Tage vor dem ersten Mord war Däter bei dem Pflegedienst, der die sechs alten Damen zu Hause betreute, fristlos entlassen worden. Er hatte Geld unterschlagen. Am 6. Juni 2001 besuchte er dann unter einem Vorwand die 87-jährige Lisbeth Nägler, erstickte sie mit einem Handtuch und raubte 350 Mark. Bei allen weiteren Taten ging er ähnlich vor. Und bei vier seiner Opfer bescheinigten die nach dem Auffinden der Leichen herbeigerufenen Ärzte einen natürlichen Tod. So wäre es wahrscheinlich auch bei seinem letzten Opfer gekommen. Aber die 82-jährige Martha Neubauer überlebte die Attacken des 1,93 Meter großen und 130 Kilo schweren Hünen und lieferte den Hinweis auf Olaf Däter. Hätte Martha Neubauer nicht überlebt, dann wäre einer der schlimmsten Verbrecher der Kriminalgeschichte vielleicht ungestraft davongekommen - weil niemand außer ihm selbst von seinen Verbrechen gewusst hätte.
Däter ist nicht psychisch gestört wie die meisten Serienmörder, sieht sich auch nicht als "Erlöser" seiner durchweg über 80 Jahre alten Pflegebefohlenen; sein Motiv ist furchtbar banal: Habgier. Seine Beute: insgesamt nicht mal 5.000 Mark.
Wenige Tage vor dem ersten Mord war Däter bei dem Pflegedienst, der die sechs alten Damen zu Hause betreute, fristlos entlassen worden. Er hatte Geld unterschlagen. Am 6. Juni 2001 besuchte er dann unter einem Vorwand die 87-jährige Lisbeth Nägler, erstickte sie mit einem Handtuch und raubte 350 Mark. Bei allen weiteren Taten ging er ähnlich vor. Und bei vier seiner Opfer bescheinigten die nach dem Auffinden der Leichen herbeigerufenen Ärzte einen natürlichen Tod. So wäre es wahrscheinlich auch bei seinem letzten Opfer gekommen. Aber die 82-jährige Martha Neubauer überlebte die Attacken des 1,93 Meter großen und 130 Kilo schweren Hünen und lieferte den Hinweis auf Olaf Däter. Hätte Martha Neubauer nicht überlebt, dann wäre einer der schlimmsten Verbrecher der Kriminalgeschichte vielleicht ungestraft davongekommen - weil niemand außer ihm selbst von seinen Verbrechen gewusst hätte.


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