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De dood als machtsmiddel. Het vervolg 5

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Eine Krankenschwester berichtet Mein Alltag im Wahnsinn 

28 september 2008 stern.de

In vielen deutschen Kliniken herrscht ein immerwährender Notstand: Es fehlt an Zeit, Geld und Personal, um die Kranken gut zu pflegen. In Berlin gehen heute Klinikmitarbeiter auf die Straße. Hier schreibt eine Krankenschwester über ihren Alltag, über den "ganz normalen Wahnsinn auf meiner Station".

In seiner aktuellen Ausgabe veröffentlicht der stern eine eindringliche Reportage über den Pflegenotstand in deutschen Kliniken. Redakteurin Doris Schneyink hat dafür den Alltag in einem Krankenhaus hautnah miterlebt. Den entscheidenden Anstoß zu Schneyinks Recherche gab eine Email, in deren Betreffszeile nur stand: "Der ganz normale Wahnsinn einer Krankenschwester." In der Nachricht beschrieb Heike S., eine Pflegerin in einem städtischen Krankenhaus in Bayern, ihren Arbeitsalltag. Hier lesen Sie den vollständigen Text dieser Zustandsbeschreibung aus erster Hand.

Ich habe heute zwölf Patienten zu versorgen. Meine anfangs gute Laune sinkt mit all den Informationen, die ich am Morgen über meine Patienten erhalte. Schnell steht fest, dass hier gar nichts geht. Bis auf drei Patienten können sich alle nicht selbst waschen, umdrehen, essen oder auf die Toilette gehen. Ich schnappe mir meine Ausrüstung - darunter Waschschüsseln, Hand- und Badetücher, Inkontinenzunterlagen - und jede Menge Windeln. Leider hat es die Wäscherei heute noch nicht zu uns geschafft, sodass ich schnell noch in vier Zimmer meiner Kollegen sausen muss, um Wäsche zu klauen.

Endlich kann es losgehen. Blutdruck, Puls und Temperatur müssen bei jedem Patienten gemessen werden, bei einigen kommt noch der Blutzuckerspiegel dazu, manchen muss Insulin gespritzt werden. Andere Patienten muss ich umlagern, nach vier Stunden in der derselben Position wird es mehr als Zeit dafür.

"Liegen Sie gut, Frau Maier?" "Guten Morgen Frau Schmitt, gut geschlafen? Nein? Warum denn nicht?"

Drei meiner Patienten läuten, und der Fahrdienst will auch schon den ersten Patienten zur Untersuchung abholen. "Einen Moment bitte." Der Patient riecht nicht gerade gut, und als ich schnell die Windelhose öffne, kommt mir schon die Duftwolke entgegen." Gib' mir nur fünf Minuten", rufe ich dem Fahrer zu, und nestle an der Windel weiter, wasche ihn im Intimbereich, wechsle die Wäsche, drehe ihn auf die andere Seite und ziehe dann eine neue Windelhose an.

Schnell beruhigen? Das geht oft nicht.

Einige Minuten später muss eine Parkinsonpatientin auf die Toilette, aber leider ist sie morgens noch sehr unbeweglich. Zuerst gebe ich ihr ihre Medizin, dann erst können wir schön langsam vom Bett ins Bad tippeln und zur Toilette gehen. Einen anderen Patienten will ich gerne duschen. Leider erkennt er mich heute nicht mehr und begrüßt mich drohend mit seinen Krücken. "Komm Du mir ja nicht her, du Teufel hast mich entführt", ruft er mir völlig entsetzt zu.

Schnell beruhigen geht leider nicht, also setze ich mich im sicheren Abstand dazu und versuche, seine Krücken zu fassen zu kriegen. Ganz schnell hat er meinen Zeigefinger zwischen den Krücken eingezwickt, sodass ich laut "Aua" schreie. Vor lauter Wut drückt er noch fester zu. Endlich kommt jemand, um mir zu helfen. Zu zweit schaffen wir es, den Mann zu beruhigen. Wir können ihn überzeugen, die Krücken rauszurücken. Der Zimmernachbar ist selbst ganz verstört und verlässt so bald wie möglich das Zimmer. Wir machen das auch!

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Schnell geht's zurück zur Parkinsonpatientin, die leider noch nicht fertig ist. "Ich komme gleich wieder", rufe ich ihr zu und tauche im nächsten Zimmer unter. Dort habe ich zwei Frauen mit Schlaganfällen, die eine hat neben Ihrer Halbseitenlähmung auch eine Sprach- und Schluckstörung. Für mich bedeutet das eigentlich, dass hier Schnelligkeit nicht hilft. Die Patienten müssen sich mit ihrem Zustand erst einmal selber auseinander setzen, fliegendes Pflegepersonal verstört sie da eher. Und schließlich habe ich ja auch einen gewissen Pflegeanspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden will. Ich tue so, als ob ich alle Zeit der Welt hätte, um Sie rundherum gut zu pflegen und die Frau nicht nur körperlich aufzurichten.

Im Kopf überlege ich mir schon, wie ich diese Zeit wieder reinholen kann. Jetzt aber schnell zur nächsten Frau, die auch einen Schlaganfall erlitten hat. Ihr geht es leider nicht mehr gut. Leider kann man hier nur noch hoffen, dass sie bald sterben darf. Aber auch hier kann und will ich nichts im Eiltempo machen. Pflege an Sterbenden braucht seine Zeit. Also bloß keine Hektik. Auch hier nicht.

Ich hetzte zum nächsten Zimmer

Endlich bin ich raus aus dem Zimmer, hetze zum nächsten. Das Frühstück ist ja schon lange angekommen. Meine Parkinsonfrau hätte ich beinahe vergessen, also zurück zu ihr.

"Wollen Sie denn heute duschen?" frage ich sie. Ein bisschen hoffe ich dabei, dass sie vielleicht darauf verzichten will.

"Ja doch", antwortet sie. "Ich habe heute Nacht so geschwitzt." Auch hier kann ich nicht schnell machen. Sie wird zwar schon ein bisschen beweglicher, dennoch wird ihr der zwanzig Zentimeter hohe Einstieg in die Dusche zu viel - wie so vielen anderen Patienten auch. Stück für Stück helfe ich nach. Bis sie dann auf dem Stuhl sitzt, vergehen noch mal ein paar lange Minuten. Irgendwann bin ich hier fertig, und jetzt steht noch die Morgenbesprechung an. "Kommst Du mal schnell ans Telefon!" ruft unsere Stationsassistentin, ein Angehöriger will eine Auskunft. Ich hetzte durch die Station.

Irgendwie riecht es im Zimmer nach Urin

Ich schaue noch mal schnell zu meinem Patienten mit den Krücken rein, und siehe da, er erkennt mich wieder. Gott sei Dank. Er hat sich wieder beruhigt.

Aber irgendwie riecht es im Zimmer nach Urin. Ich gehe der Spur nach, bis ich bemerke, was er jetzt wieder zustande gebracht hat. Der Patient hat seine befüllte Urinflasche quer durchs Zimmer geworfen. Sie ist im Nachbarbett gelandet. Gut, dass der Nachbar nicht im Zimmer war. Also schnell alle Betten ausgetauscht, den Boden gewischt und desinfiziert. Schnell schiebe ich den Patienten in die Dusche, was ihm so gut wie gar nicht gefällt. Danach geht's noch auf die Toilette. In der Zwischenzeit holen mich meine Kollegen zur Frühstückspause, ich brauche sie wirklich dringend. Gerade habe ich den ersten Bissen meiner Honigsemmel im Mund, als jemand läutet. Es ist der Patient mit der Flasche. Er ist in der Toilette. Er ist jetzt fertig. Schnell nehme ich noch einen Schluck Kaffee und einen Bissen von meiner Semmel. Ich befürchte, dass meine Frühstückspause schon beendet ist.

Herr S. ist von einer Duftwolke umgeben

Herr S. erwartet mich schon, von einer Duftwolke umgeben. Er beschimpft mich. Wo ich solange bleibe? Er will sofort ins Bett zurück. Nachdem ich nicht nur seinen Hintern, sondern auch die Toilette gesäubert habe, bringe ich ihn wieder ins Bett zurück. Mittags habe ich dann auch tatsächlich alle meine Patienten versorgt. Jetzt heißt es: Noch schnell mit zur Visite gehen, wenn das überhaupt noch möglich ist; die Anordnungen vom Arzt ausarbeiten, danach unsere getane Arbeit im PC dokumentieren, neue Patienten aufnehmen, andere entlassen. Dazu Pflegepläne neu schreiben oder aktualisieren, Betten in andere Zimmer schieben, Telefonate beantworten, Verbände wechseln, Kritik und Ärger von Angehörigen oder Patienten anhören und vielleicht noch schnell mit dem einen oder anderen Patienten sprechen - nur so, weil es doch auch dazu gehört, sich mit kranken Menschen zu unterhalten und sich um deren Sorgen und Ängste zu kümmern. Nebenbei klingelt der eine oder andere Patient noch, weil er mal was zu trinken braucht oder weil er Schmerzen hat oder es ihm einfach nicht gut geht, was ja mal vorkommen kann im Krankenhaus. Und da wäre noch eine Übergabe am Bett an die Kollegin, die ja auch noch stattfinden muss. Schnell und informativ natürlich.

Zuhause angekommen gönne ich mir erst mal einen Kaffee. Ohne Hetze. Wie immer bin ich froh, dass meine Familie und ich gesund sein dürfen.

Mein Mann geht joggen. Ich nicht.

Wenn mich meine Kinder fragen: "Na, Mama, wie war es denn bei dir heute so?", sage ich: "Ganz normal, wie immer". Mein Mann bekommt wie immer ein "Nein" zu hören, wenn er mich fragt, ob ich noch zum Joggen mitgehen will.

Meine Arbeit als Krankenschwester mache ich sehr gerne, genauso wie ganz viele meiner Arbeitskollegen. Es wäre jedoch endlich mal an der Zeit, dass unsere Arbeit eine dementsprechende Vergütung und Annerkennung erhalten würde. Unseren Beruf kann man nicht einfach so mit anderen vergleichen. Wir sitzen nicht am Schreibtisch oder arbeiten mit leblosem Material.

Wir arbeiten täglich mit dem Wertvollsten überhaupt

Gute Pflege braucht seine Zeit, und viele von uns haben den Anspruch, gute Pflegearbeit zu leisten. Wir arbeiten täglich mit dem Wertvollsten überhaupt. Aber warum werden wir dafür nur so schlecht bezahlt? Warum wird unsere Pflegearbeit so wenig geschätzt?

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Rettet die Krankenschwestern!

Stern de. 25-09-2008

Ein Kommentar von Doris Schneyink

Zehntausende Klinikmitarbeiter demonstrieren in Berlin. Sie fordern mehr Geld für die finanziell angeschlagenen deutschen Kliniken. Zurecht. Denn die Arbeitsbedingungen für Pfleger sind unerträglich. Wir müssen endlich ehrlich darüber streiten, was uns gute Pflege wert ist.

Heute stehen sie nicht am Bett und messen Blutdruck. Heute stehen sie vor dem Brandenburger Tor und protestieren: Zehntausende Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte sind nach Berlin gekommen, um auf ihre miserablen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Und ihr Protest ist mehr als berechtigt: Jeder, der ein Krankenhaus betritt, egal ob als Patient, als Angehöriger oder Besucher, spürt es: Die Stimmung auf vielen Stationen ist angespannt. Schwestern und Pfleger sind kaum ansprechbar, sie erledigen ihre Arbeit im Laufschritt, sagen 'ja, ich kümmer mich gleich' und sind dann stundenlang verschwunden. Garantiert nicht, um Pause zu machen. Die Zeiten, in denen Krankenschwestern die Vasen auf ihrer Station nach Farbe und Größe sortierten, sind längst vorbei.

Die rund 2100 Krankenhäuser in Deutschland stehen seit Mitte der 90er Jahre unter einem enormen Kostendruck. Es ist gut, dass die Politik die Kliniken zum Sparen verdonnerte und Patienten heute viel schneller entlassen werden als früher. Doch es ist eine Katastrophe, dass der Sparzwang überwiegend zu Lasten der Pflege ging - 50.000 Stellen wurden hier seit 1996 wegrationalisiert. Die Zahl der Patienten stieg gleichzeitig um 670.000.

Verteilungskampf um knappe Ressourcen

In den Krankenhäusern tobt ein Verteilungskampf um die knapper werdenden finanziellen Ressourcen. Und die Schwestern und Pfleger haben die schwächste Lobby. Weder sind sie Teil der Selbstverwaltung, noch verfügen sie über hauptamtliche Funktionäre. Ärzte und Pharmaindustrie sind wesentlich besser aufgestellt, um ihre Pfründe zu sichern. Der jüngste Arzneimittelreport kommt zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass Medikamente und Generika in Deutschland nach wie vor viel teuerer sind als im Ausland. Würde man allein die Preise für zehn Wirkstoffgruppen dem britischen Niveau anpassen, so der Report, könnten die Krankenkassen 3,4 Milliarden Euro sparen. Doch es ist offenbar viel einfacher, massenhaft Stellen in der Pflege zu streichen, als den Preis für nur ein einziges Medikament zu senken.

Die Arbeit der Krankenschwestern und Pfleger hat sich aufgrund des Personalmangels enorm verdichtet. Schicht für Schicht erleben sie, dass sie ihre Patienten nicht mehr so versorgen können, wie es ihren ethischen Normen entspricht. Sie müssen ihre Zuwendung rationieren und entscheiden: Beruhige ich jetzt die völlig verstörte Schlaganfallpatientin, die halbseitig gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann oder dusche ich den Parkinsonpatienten? Beides geht nicht. Was der eine an Zuwendung erhält, wird dem anderen vorenthalten. Der Pfleger Andreas G. sagt: "Man muss ständig Prioritäten setzen und kann nur hoffen, dass man aufgrund seiner Erfahrung, die richtigen Entscheidung trifft."

Welchen Preis wollen wir zahlen?

Ulla Schmidt will die Gemüter besänftigen und hat den Krankenhäusern drei Milliarden Euro versprochen. Davon sollen unter andern 21.000 Pflegestellen finanziert werden. Doch weil die Kliniken selbst ein Drittel der Kosten tragen müssen, ist unklar, ob dieser Plan Wirklichkeit wird.

Statt willkürlicher Geschenke fordern die Schwestern und Pfleger, dass endlich ein verbindlicher Personalschlüssel eingeführt wird. Der würde exakt vorschreiben, wie viele Patienten von einer Schwester versorgt werden dürfen. Doch dazu müsste in Deutschland eine ehrliche Debatte geführt werden: Was ist uns eine gute und würdevolle Versorgung von Alten und Kranken eigentlich wert? Welchen Preis, sind wir bereit zu zahlen? Denn ein verbindlicher Personalschlüssel und mehr Pflegestellen bedeuten unweigerlich, dass die Krankenkassenbeiträge steigen.

 

Finanznot

Jedes dritte Krankenhaus ist gefährdet

Von Claudia Wüstenhagen

Deutschlands Krankenhäuser sind in Not. Steigende Tariflöhne, explodierende Lebensmittel- und Energiepreise reißen ein Milliardenloch in die Etats. Jede dritte Klinik ist einer aktuellen Studie zufolge in erhöhter Insolvenzgefahr.

Vor einem "Katastrophenjahr 2008" warnte die Deutsche Krankenhausgesellschaft schon zu Beginn des Jahres. Wie schlecht es um deutsche Kliniken bestellt ist, zeigt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Die Wissenschaftler haben Bilanzen von fast 500 Krankenhäusern ausgewertet und festgestellt, dass bereits im Jahr 2005/2006 18 Prozent der Häuser insolvenzgefährdet waren. Seither habe sich die Lage deutlich verschlechtert. In diesem Jahr seien 34 Prozent der Kliniken in akuter Finanznot.

"Das kann nicht so weitergehen"

Von "existenzvernichtenden Zügen" der Situation spricht Holger Mages, Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Vieles hätten die Kliniken in den vergangenen Jahren schon versucht, um der miesen Finanzlage Herr zu werden: die Anzahl der Betten reduziert, die Aufenthaltsdauer der Patienten verkürzt, Personal abgebaut. 90.000 Stellen seien in den vergangenen zehn Jahren gestrichen worden. "Das kann auf Dauer nicht so weitergehen", sagt Mages.

Doch wer ist Schuld an der Misere der Krankenhäuser? Vor allem steigende Tariflöhne und explodierende Sachkosten für Lebensmittel und Energie reißen nach Ansicht der Wissenschaftler ein Riesenloch in die Etats. "Die Kostenseite wächst und wächst, während die Erlöse gedeckelt sind", sagt RWI-Forscher Boris Augurzky. Krankenhäuser können höhere Kosten - beispielsweise durch die gestiegene Mehrwertsteuer - nicht an ihre Patienten weitergeben. Wie stark die Klinikerlöse steigen, unterliegt politischer Entscheidung. Und in diesem Jahr steigen sie nach Ansicht von Augurzky nicht stark genug, um mit den Kosten mitzuhalten. Die Folge ist eine Finanzierungslücke von 1,3 bis 2,2 Milliarden Euro, die den knapp 2100 deutschen Krankenhäusern droht.

RWI-Forscher Augurzky ist sicher: Nicht alle Krankenhäuser werden überleben. Dass es dadurch zu einer Katastrophe in der Versorgung kommen wird, glaubt er aber nicht. Längst nicht alle bedrohten Kliniken würden am Ende auch tatsächlich schließen müssen. "Sie haben Träger hinter sich, wie beispielsweise Kommunen, die dazu neigen, ihre Krankenhäuser nicht einfach pleite gehen zu lassen", sagt Augurzky. In einigen Fällen würden sie das Defizit ausgleichen. Etwa jede zehnte Klinik werde in den kommenden Jahren aber schließen.

Neue Arbeitsteilung gefordert

Angesichts der prekären Finanzlage müssten Klinikbetreiber noch kreativer werden und versuchen, ihre Abläufe zu optimieren, sagt der RWI-Experte. Derzeit wird viel darüber diskutiert, das Personal kostensparender einzusetzen. "Der Arzt ist der Teuerste im Krankenhaus - da sollte man die Frage stellen, ob er alle seine bisherigen Tätigkeiten wirklich selbst machen muss", sagt Augurzky. Einiges könnten Pflegekräfte übernehmen, die günstiger sind. Die wiederum könnten durch andere Mitarbeiter entlastet werden - etwa bei der Essenausgabe, für die keine klinische Ausbildung erforderlich ist. Auch die OP-Säle könnten besser ausgenutzt werden.

Manche private Betreiber würden sogar alte Gebäude abreißen und durch neue Kliniken ersetzen, die kürzere Wege erlauben und Abläufe beschleunigen. "Mit einer modernen Struktur ist schon viel gewonnen", sagt Augurzky. Das sei auch ein Grund, warum die Krankenhäuser in den neuen Bundesländern bei der RWI-Studie deutlich besser abgeschnitten haben. "Nach der Wende wurden viele Häuser im Osten dank der Kapitalzuflüsse modernisiert, sodass sie heute besser aufgestellt sind." Im Westen stünde die Modernisierung vielen Häusern noch bevor. Ob sie dafür das nötige Investitionskapital haben, ist jedoch fraglich.

"Mit Optimierung ist das Loch nicht zu stopfen"

DKG-Sprecher Mages glaubt nicht daran, dass sich das finanzielle Problem der Krankenhäuser durch Prozessoptimierung lösen lässt. "Das machen wir schon seit Jahren", sagt er. Diese Bemühungen könnten die finanzielle Belastung nicht im Geringsten aufwiegen. "Mit Optimierung ist das Loch nicht mehr zu stopfen", sagt Mages und appelliert an die Politik, die Budgets der Krankenhäuser deutlich zu erhöhen. Er warnt vor Konsequenzen für die Versorgung und prophezeit, dass sich womöglich auch in Deutschland eine Wartelisten-Medizin etablieren werde - dass beispielsweise Patienten bald ein halbes Jahr auf eine neue Hüfte warten müssten. Schon jetzt machten sich die Sparzwänge im Klinikalltag bemerkbar: "Dadurch, dass immer mehr Pflegekräfte abgebaut werden, haben sie weniger Zeit, um die Patienten zu betreuen und ihnen in belastenden Situationen die richtige Zuwendung zu geben."

Sollte in den kommenden Jahren jedes zehnte Krankenhaus schließen, wie das RWI prophezeit, so werde das seiner Ansicht nach vor allem auf dem Land zu spüren sein. Doch die flächendeckende Versorgung werde dadurch nicht gefährdet. Allerdings müssten Patienten längere Anfahrtswege in Kauf nehmen, um ins Krankenhaus zu kommen. RWI-Experte Augurzky sieht in einer möglichen Schließung von Krankenhäusern sogar Chancen. "Das muss nicht unbedingt schlecht sein", sagt er. Denn die Studie hat auch gezeigt, dass die, denen es wirtschaftlich schlecht geht, tendenziell auch bei der Qualität der Versorgung schlechter abschneiden. Außerdem würden dann die restlichen 90 Prozent besser ausgelastet.

Stern de 18 maart 2008